Sonntag, 2. August 2009

31.7.2009 Dresden – Diesbar/Seußlitz und zurück

Ich hatte mir diesen Freitag vorgenommen, das Wohnzimmer zu renovieren, aber zuerst wollte ich radfahren.
Nach vielen unbeständigen Wochen herrschte stabiles Sommerwetter, der Wetterbericht hatte einen freundlichen, nicht zu warmen Tag angekündigt. Diese Gelegenheit musste genutzt werden!

Wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit ein Stück am Elbufer entlang fahre, wenn die Sonne am blauen Himmel aufsteigt, die Hänge klar am Horizont sichtbar sind, wenn ich Spaziergänger sehe, die zu früher Stunde am Wasser entlang bummeln, manchmal auch ein Zelt, das einem Angler oder kurz entschlossenen Camper als Nachtlager diente, dann wird die Sehnsucht so groß, dass nur noch eines hilft: ihr so bald wie möglich nachzugeben.

Ich liebe den Elberadweg und fahre immer wieder gern dort entlang. Nicht nur ich habe diese Vorliebe: es gibt Tage und Tageszeiten, da man ihn besser meiden sollte, es sei denn, man fährt gern in dem Gedränge von Spaziergängern, Bummlern, Skatern und Radfahrern unterschiedlichster Kondition und Mentalität. Die frühen Morgenstunden sind die besten, nicht nur hinsichtlich des Verkehrsaufkommens, sondern auch wegen der Atmosphäre, der Landschaft, des Lichtes und der Tiere, die man mitunter zu sehen bekommt. Aus all diesen Gründen lohnt es sich, an einem freien Tag den Wecker zu stellen. Ich stand gegen fünf Uhr auf, um kurz nach sechs Uhr aufzubrechen.

Kühl und frisch war es, die Sonne stieg gerade über den Häusern auf. Ich war froh, die Jacke mitgenommen zu haben. Auf dem Hinweg hatte ich etwas Gegenwind, und ich konnte sie erst bei der Rückfahrt in meiner Seitentasche verstauen. Meine Bedürfnisse beim Radfahren sind von Tag zu Tag unterschiedlich. Irgendwann werde ich hoffentlich für die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Strecken gerüstet sein und einen Stall voller Räder haben. Aber mit meinen drei Fahrrädern bin ich für den Anfang gut ausgerüstet. Das Einkaufsfahrrad mit Körbchen kann bei Touren zu Hause bleiben. Gern fahre ich mit meinem Rennrad, einem älteren Modell. Es ist geradezu ideal geeignet, wenn ich schnell wieder von einer Tour zurück sein möchte; das besondere Fahrgefühl kommt hinzu. Manchmal, wenn ich keine Zeit für längere Strecken habe, fahre ich eine Runde ums Viertel damit, um die Leichtigkeit zu spüren und dabei an vergangene und zukünftige Touren zu denken.

Aber mindestens genau so lieb ist mir mein Allroundrad, mit dem ich sowohl in der Stadt als auch auf Landstraßen und Waldwegen fahren kann: es ist schwer und kompakt, hat breite Reifen mit starkem Profil, ist voll gefedert und hat einen extra breiten, bequemen Lenker. Den Lenker habe ich entsprechend aufgerüstet. Von den drei Gängen benutze ich meist nur einen. Es ist genaugenommen eine Kombination zwischen Tourenrad und Mountainbike. Zum Fahren in die Berge ist es jedoch ungeeignet, und diese Disziplin muss ich ohnehin noch erlernen.

Ich nahm also dieses Rad. Es ging mir nicht um Schnelligkeit, ich wollte die Tour genießen und viel sehen. Außerdem wirkt dieses Rad mit seiner guten Straßenlage beruhigend auf mich, gerade bei weiteren Touren. Die Strecke, die ich mir ausgesucht hatte, ist eine mittlere, aber ich war seit ein paar Wochen nicht weiter als bis Meißen gefahren, und deshalb wertete ich mein Vorhaben als Ausnahme, von der ich aber wünsche, dass sie zur Regel wird.

In die morgendliche Stille mischte sich der Straßenlärm – Berufsverkehr zu Beginn der Tour. In Kaditz Traktoren, Lastwagen, Arbeit auf den Feldern. Hinter mir brauste ein Lastwagen heran, ich war froh, auf den Elberadweg einschwenken zu können, ehe er mir zu nahe kommen konnte.

Der Himmel war von Schleierwolken überzogen, und an einigen Stellen schimmerte es blau. Die Sicht war klar, zu meiner rechten Seite waren die Radebeuler Weinberge deutlich zu sehen. Gelegentlich kamen mir Radfahrer entgegen, ihrer Kleidung und Ausrüstung nach zu urteilen waren sie entweder auf dem Weg in die Stadt oder auf Tour wie ich.

Als ich die im Bau befindliche Brücke bei Niederwartha erreichte, befand ich mich plötzlich vor einer Baustellenabsperrung, die nicht die kleinste Durchfahrt ließ. Ich ärgerte mich, dachte aber nicht daran, von meinem Vorhaben abzusehen. Während ich noch überlegte, ob ich die Elbseite wechseln sollte, sah ich einen Radfahrer, der gerade von der Brücke herunter kam und auf einen schmalen Weg dicht am Wasser fuhr. Ich folgte ihm und gelangte auf eine Umleitung. Bald war ich wieder auf dem Elberadweg und fuhr weiter Richtung Coswig. Auf meinem Lieblingsrastplatz mit „Bosel-Blick“ wollte ich frühstücken, aber da ich noch nicht hungrig war, fuhr ich weiter bis Meißen. Die Bosel ist ein markanter Felsen, der immer wieder für traurige Schlagzeilen sorgt, er ist ein häufig gewähltes Ziel von Lebensmüden. Erst in der vergangenen Woche gab es dort zwei Todesfälle. An diesem idyllischen Ort liegen Weinberge, und es gibt ein paar hübsche Häuser mit Elbblick. Ich glaube aber nicht, dass ich dort gern wohnen würde.

Gegen 7.30 Uhr – um diese Zeit komme ich normalerweise im Büro an - frühstückte ich in Meißen auf einer Bank mit Blick auf Dom, Albrechtsburg und Altstadt und schätzte mich ausgesprochen glücklich. Noch war wenig los, ein paar Radfahrer und Leute, die ihre Hunde ausführten, waren unterwegs. Hinter Meißen beginnt ein wunderschöner und ruhiger Abschnitt des Elberadwegs mit viel Landschaft, Blick aufs Wasser und nur wenigen kleinen Ortschaften, die durchquert werden. Bei Nieschütz führt der Weg von der Elbe weg und ein Stück durchs Dorf, wo aber wenig Verkehr herrscht. Die Elbe macht dann einen weiten Bogen nach rechts, und bald ist man wieder auf dem Elberadweg. Von da an ist es nicht mehr weit bis Diesbar-Seußlitz. Von Dresden-Nord bis nach Meißen fährt man etwas mehr als 20 Kilometer, bis Diesbar sind es noch einmal 12 Kilometer.

Das Wetter war so ideal, und das Fahren gefiel mir so gut, dass ich mit dem Gedanken zu spielen begann, bis Riesa zu fahren. Ich bin diese Strecke schon einmal gefahren und traute sie mir durchaus zu. Von Diesbar aus wären es noch an die 15 Kilometer bis Riesa gewesen.

Ich rastete in Diesbar auf einer Bank und überlegte noch kurz, aber im Grunde hatte ich mich schon entschieden. Unser Wohnzimmer mitsamt der bereits angerührten Wandfarbe erwartete mich, und ich wollte nicht gar so geschafft an die Arbeit gehen. Also hob ich mir den Wunsch für einen anderen Tag auf – ich hoffe, es gibt noch ein paar schöne Wochenenden in diesem Jahr.

Auf dem Rückweg wurde ich auf einen archäologischen Lehrpfad aufmerksam. Die Gegend war schon in der Bronzezeit besiedelt, auf den Felsen ringsum befanden sich Burgen, und im Elbbogen hatte es eine Furt gegeben, die von den Burgen aus bewacht wurde.
Ich habe immer wieder darüber nachgedacht, wie es wäre, später einmal aus der Stadt ins Umland zu ziehen, und die Gegend um Meißen herum wäre eine, die ich mir gut als Wohnsitz vorstellen könnte.

Wieder fuhr ich durch Nieschütz. Die Möglichkeit, Spargel anzubauen, wäre ein weiteres Argument, sich dort anzusiedeln. Aber nun sah ich die Häuser an, Musterhaus an Musterhaus, mustergültig gepflasterte Einfahrten davor, schnurgeraden Beete mit schnurgeraden Pflanzreihen, sorgsam niedergemähter Rasen mit sorgsam gestutzten Gehölzchen, hier und da ein Töpfchen, vereinzelte Blumenranken, sorgfältig festgebunden. So sehr ich diese Gegend liebe – wohnen möchte ich dort auf keinen Fall. Im Angesicht dieses Spätsommertages fuhr ich lieber vorbei. Gibt es einen innigeren Genuss als den im Bewusstsein der Vergänglichkeit? Ist nicht jedes wahre Glück flüchtig?
Ich kann nicht für die Allgemeinheit, sondern nur für mich sprechen, wenn ich meine, dass Freiheit immer auch Freiheit von etwas ist. Und Glück, der Freiheit beraubt, ist keines.

Da ich meine Tour nicht weiter ausgedehnt hatte, nahm ich mir noch Zeit, den ausgeschilderten Rastplatz mit Elbblick anzufahren. Man fährt bei Nieschütz etwa 200 Meter auf einer Holperpiste Richtung Elbe. Der Rastplatz war eine Enttäuschung, weil der Zugang zur Elbe durch einen Weidezaun versperrt und der Blick auf die Felsen und den Elbbogen von einem Maisfeld verdeckt wurde. Man sollte wohl vorher schauen, wie hoch der Mais steht, ehe man hinunter fährt, aber das kann jemand, der zum ersten Mal den Rastplatz aufsucht, nicht wissen.

Die geliebte Landschaft streifend, fuhr ich wieder Richtung Meißen, rastete kurz an der Elbe und fuhr dann zügig nach Hause zurück. Da ich noch so gut in Form war, dachte ich sehnsüchtig an weitere Strecken, bis mir klar wurde, dass ich diese Leichtigkeit beim Fahren dem Rückenwind verdankte.

2 Kommentare:

  1. Hallo Annette, falls Interesse besteht, kannst du deine Tourberichte vom Elberadweg auch auf www.elberadweg.de unter Interaktiv - Reiseberichte veröffentlichen und natürlich auch viele andere Radfahrer-Reiseberichte lesen. Viele Grüße, Sabine vom Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V.

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  2. Hallo Sabine, vielen Dank für den interessanten Tipp! Ja, eine schöne Seite ist das. Wenn ich mal Dresden-Hamburg fahren sollte oder Dresden-Riesengebirge, passt das sicher dorthin. Meine Tages- oder eher Halbtagestouren beschreibe ich lieber hier. ;-) Aber Danke für die Rückmeldung!

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